Motor Komplettüberholung

Der H78 und H72 Motor mit Alukopf besteht im wesentlichen aus Teilen vom Gangster und ID 19.
Der Motor dreht zwar anders herum da das Getriebe im HY hinter dem Motor sitzt, aber dennoch sind viele Teile wie Kolben, Ventile oder Lager identisch zu ID oder frühen DS Modellen. Da immer wieder Leute auf die Idee kommen den Kettenspanner von der ID zu nehmen: NEIN das geht aufgrund der Drehrichtung nicht und ist btw. auch überhauptnicht nötig. Auch die Nockenwelle ist daher natürlich nicht kompatibel!
Ölpumpe ditto. bzw. nach Umbau und Anpassung der Druckfeder.

Die zwei unterschiedlichen Motoren (H78 / H72) unterscheiden sich nur bei den Kolben und Laufbuchsen (72mm / 78mm). Bei einer Überholung wird so aus einem H72 also ganz fix auch ein H78 mit ca. 56PS.

Egal was euch der Vorbesitzer erzählt hat, im Zweifel ist der HY-Motor Schrott. Das interessante an der Sache ist, selbst ein Motor der sich in einem katasrophalen Zustand befindet läuft oft noch ganz passabel. Kennt man den Unterschied nicht (und die wenigsten die sich ein solches Fahrzeug kaufen haben den HY früher einmal als Neuwagen gefahren, mich selbst eingeschlossen) fällt es einem kaum auf. Der Motor ist für den rauen Einsatz konzipiert und kann eine Menge ertragen.

Das wichtigste Zeichen dafür das man einen total fertigen Motor durch die Prärie quält: Ölverbrauch und Ölverlust!

Hier mal ein paar Informationen:

Das Beschleunigungsvermögen ist bei gesundem Motor mehr als ausreichend! Von 0 auf 95 in ca. 20 Sekunden.

 

Der HY-Motor braucht in der Stadt oder auf der Landstraße von einem Dorf zum nächsten kein Öl! Lediglich bei langen Autobahnfahrten mit 100km/h oder mehr ist bei mir ein Verbrauch von etwa 0,3 - 0,5l auf 1000 km zu Verzeichnen. Ich schiebe das mal auf die Nachbaukolben. Höchstwahrscheinlich wäre dieser Wert bei den Originalen oder Qualitativ hochwertigeren Produkten (Mahle oder vergleichbar...) noch deutlich geringer.

Ebenfalls verliert der HY-Motor in gutem Zustand kein Öl. Oft ist das verlieren von Öl ein Zeichen von gehörigem Überdruck im Kurbelgehäuse durch defekte Kolbenringe. Der ganze Schmodder wird durch jede Ritze nach außen gedrückt.

Wenn euer Motor also übermäßig viel Öl verbraucht (es gibt Berichte von bis zu 5L auf 1000 km im Forum) dann solltet ihr ernsthaft über eine Motorrevision nachdenken.

1. Ausbauen

  • Öl und Kühlwasser ablassen
  • Auspuff abbauen
  • Kühler ausbauen, Halterung vorne entfernen.
  • Kabel, Schläuche und Getriebe lösen
  • Motor nach vorne ausbauen.

    Wenn man sich an den seltsamen Schrauben mit dem das Getriebe am Motor angeflanscht ist sämtliche Knochen gebrochen hat sollte man diese gleich entsorgen und M7er Schrauben mit vernünftigem 11er Kopf besorgen - gibts im Schraubenfachhandel. Das spart das nächste mal viel Ärger. Ich habe mir seinerzeit einen "Schlüssel" aus einem 4-Kant-Profil gefräst. Am kostengünstigsten bekommt man den Motor mit einer Holzbehelfskonstruktion auf einer Palette und einem standard Hubwagenheber heraus.

2. Zerlegen

  • Ventildeckel, Vergaser, Luftfilter, Zündung, Wapu, Anlasser und alle sonstigen Anbauteile entfernen.
  • Ölwanne entfernen und Motor umlegen oder Halterung bauen.
  • 4 Pappkartons mit 1 2 3 4 beschriften und von nun an alle Teile der jeweiligen Zylinder dort einsortieren.
  • Zylinderkopf abschrauben. Kipphebel und Krams gut aufheben. Es ist alles so wie es zu sein scheint bei den Zylinderkopfschrauben, keine versteckten Gemeinheiten.
  • Ventile ausbauen (siehe Bilder) Unter den Ventilfedern sind gehärtete Scheiben die man mit Druckluft rauspusten sollte sonst gehen sie irgendwo verloren!!
  • Riemenscheibe der Kurbelwelle mit Schlagschrauber und einer tiefen 46er Nuss abbauen (evtl. beim LKW Motoreninstandsetzer leihen)
  • Kettengehäuse abbauen, Nockenwellenmutter lösen (Schlagschrauber)
  • Ölpumpe / Rohrleitung abbauen. Die Ölpumpe ist nur mit einer Schraube (unterhalb der Zündverteileraufnahme von außen) gesichert!
  • Nockenwellen und Kurbelwellenritzel gleichzeitig runterschieben, evt. Holz + Hammer nötig. Reihenfolge der Lager und Distanzringe genau merken (Kurbelwelle!)
  • Pleuellager aufschrauben, Lagerblöcke Kurbelwelle entfernen. Aufpassen bei der "Aludichtung" getriebeseitig, dort sitzen mehr Schrauben als man denkt. 8 Stk. Vorsichtig ist Alu!!
  • Wenn alles lose ist und die Kurbelwellenlager entfernt sind: Raus mit der KuWe!
  • Kolben nach unten rausziehen und ausstiehlen (Sprengring auf einer Seite entfernen)
  • Laufbuchsen nach oben mit Holz und Hammer raus schlagen
  • Nockenwelle seitlich richtung Kettengehäuse raus schieben, Tassenstößel raus nehmen
  • Alle Blindflansche, Abdeckungen und Schrauben an Block und Zylinderkopf enfernen

3. Putzen und Instand setzen - Motorblock:

  • Sauber machen - Ich habe ALLES beim Instandsetzer chemisch reinigen lassen, die Sauerrei in der Garage ist nicht akzeptabel. UMWELT! (100 Euro)
  • Alle Dichtflächen 100%ig reinigen, Flex mit Stahl oder Messingbürste schadet meiner Meinung nach überhaupt nicht.
  • Dichtflächen der Laufbuchsen im Block 1000%ig reinigen, hier ist wirklich der wunde Punkt. Oft ist eine Art Wulst zu erkennen der in die Dichtfläche "hineingerostet" ist. Das muss alles weg! (Cuttermesser, siehe Fotos) Am Schluss mit alter Laufbuchse und etwas Ventileinschleifpaste bearbeiten und gründlich Reinigen (Bremsenreiniger)
  • Kurbelwelle beim Instandsetzer prüfen lassen, Ölbohrungen entgraten und Laufflächen polieren lassen.
    Hubzapfen neu: 48,00 Hauptlager: 54,00. Wenn es über oder drei hundertstel weniger sind auf nächste Stufe abdrehen ( -0,25 -0,5 - 0,75 -1) und entsprechende übermaß Lagerschalen besorgen.

    Wichtig!! Wird hier geschlampt geht der Öldruck flöööten.
  • Mit Stahlbürsten in allen Formen (Bohrmaschine) den ganzen Block reinigen. Ölablagerungen sowie Rost im Kühlkreislauf kann man jetzt bequem entfernen.
  • Ölpumpe: Siebe und Zahnradgehäuse zerlegen / reinigen. Führung leicht schleifen (1000er Schleifpapier)

4. Putzen und Instand setzen - Zylinderkopf:

  • Saubermachen - Wie schon gesagt, ich habe ALLES beim Instandsetzer chemisch reinigen lassen, die Sauerrei in der Garage ist nicht akzeptabel.
  • Neue Ventilschaftführungen einbauen (lassen)
  • Ventilsitzringe überarbeiten (lassen)
  • Neue Ventile besorgen und einschleifen (lassen)
  • Kopf planen lassen falls erforderlich. Besser ist es natürlich, wenn man es nicht machen muss. Wenn der Kopf schon mal geplant wurde, kann es passieren, dass die Kompression zu krass wird. Gerade mit den gewölbten Kolben liegt man schon hart an der Grenze. Ist der Kopf krumm oder hat Macken, bleibt einem natürlich nichts anderes übrig.
  • Besondere Aufmerksamkeit auf die Kipphebelölversorgung. Das ganze Gestänge ist hohl: Ein kleines Putzlappenstück an einen Draht binden und mit jeder Menge Bremsenreiniger mehrfach überall durchziehen - Ihr werdet staunen, was da rauskommt. Nix drin vergessen gell =)

5. Zusammenbauen - Zylinderkopf:

  • Ventile einbauen
  • Ventilschaftdichtungen einbauen (vorher Federringe entfernen und einölen!)
  • Federn und Federteller nebst Keile montieren (Ventilfederspanner)

6. Zusammenbauen - Motorblock:

  • Nockenwelle und Stößelbecher einbauen
  • Kolben mit Pleuelstangen verbinden. Der Pfeil auf dem Kolbendach muss später nach Fahrtrichtung links (zum Fahrer) zeigen. Die Kolben für ID19, die auch im HY verwendet werden, sind zwar genau symmetrisch gebohrt, weisen aber eine Verstärkung in der Kraftrichtung zum Kolbendach auf. Das Pleuellager muss so ausgerichtet sein, dass bei der Abwärtsbewegung mit viel Druck auf die Kurbelwelle die ganze Fläche wirken kann. Baut man es falsch herum ein, würde die Hauptbelastung genau auf die Pleuelschrauben und den Spalt zwischen den beiden Lagerhälften wirken, was wenig sinnvoll wäre. Siehe Bilder. Einfach vor den Motor (Blick auf die Riemenscheiben) stellen, im Geiste rechts herum drehen, und dann entsprechend einbauen.
  • Kolben mit Pleuel unter reichlich Öl, und ohne die Kolbenringe zu beschädigen (Kolbenringspannband od änliches verwenden), in Laufbuchsen einschieben
  • Laufbuchsen / Kolben komplett mit Dichtung und Motorsilikon (300°C) in den absolut sauberen und gereinigten Sitz im Motorblock einführen. Dichtung vorher mit etwas Motorsilikon auf die Laufbuchse schieben und alles zusammen einsetzen.
  • mit Halterung sichern oder Zylinderkopf montieren.

7. Zylinderkopf montieren:

  • Stößelstangen einführen und Kipphebel montieren. Am besten genau wie vorher, Tragbild beachten, die Teile waren ja endsprechend nach Zylinder sortiert, gell! :) Falls erforderlich Kiphebelwellen austauschen.
  • Bei den Kipphebeln der Einlassventile ist das, dank der ganzen Federn und Unterlegscheiben, eine ziemliche Fummelei. Ab und an springt mal eine Feder + Unterlegscheibe durch die Garage - nicht aufregen!
  • Zylinderkopf in zwei Schritten (30 / 60 Nm) in Kreisform, von der mittleren Schraube aus beginnend, anziehen.
  • Nachtrag: Die original Zylinderkopfdichtungen haben auf beiden Seiten Metall oder Kupfer, Nachbauten mit nur einen Metallseite haben sich als nicht halbtbar erwiesen. Außerdem sind diese Dünner als die Originaldichtungen. Kupferpaste bei der Montage verwenden kann nicht schaden. Sachlochbohrungen sauber machen!
     

8. Kurbelwelle, Ölpumpe und den ganzen Rest von unten...

  • Haupt- und Pleuellagerschalen der richtigen Größe montieren, Hauptlager mit 100 Nm, Pleuellager 50 Nm anziehen.
    An den äußeren Hauptlagerschalen mit Motorsilikon abdichten (siehe Bilder)! Die Korkplättchen müssen mindestens 3 mm Dicke haben! Am besten selber zuschneiden da es nichts vernünftig Passendes zu kaufen gibt.
  • Ölpumpe, Ölleitung und Sieb montieren
  • Gewindewellendichtung oder Schnecke der Kurbelwelle muss sauber sein
  • die beiden Aluhalbschalen mit Motorsilikon montieren (siehe Bilder), die müssen exakt zentriert sitzen! Blattlehre!
  • Ölwanne eindichten, halbmond-förmige Dichtungen montieren und evt. einkürzen (schwer zu erklären, Bilder!)
    Die Gummiversion hält länger dicht, muss aber bei der Montage, z.B im Backofen, warm gemacht und langgezogen werden.
  • Wie immer: sämtliche Schrauben der Ölwanne abdichten!

9. Einsteuern

  • Nockenwelle: Sicherungsblech montieren
  • Nockenwellenzahnrad und Kurbelwellenzahnrad nebst Steuerkette und aller Keile bei richtig eingesteuertem Motor montieren (siehe Bilder, die Körnerpunkte müssen in eine Linie mit der Kettenschmierung zeigen)
  • Die Ölpumpenwelle muss oben an der Zündung mit dem kleineren Halbmond zum Block zeigen (siehe Bilder)
    wenn nicht nochmal neu einsteuern.
  • Nockenwellenradmutter festziehen 150 Nm
  • Kettengehäusedeckel montieren, Auspuffhalter nicht vergessen, jede Schraube abdichten. Simmering neu? Laufscheibe auf Kurbelwelle ok?
  • Die Laufscheibe im Simmering die auf der Kurbelwelle sitzt muss mit Motorsilikon abdichtet werden, sonst läuft das Öl durch den Spalt, genau dort, wo die Nut für den Keil ist. Kein Spass!
  • Riemenscheibe drauf, Mutter SW 46 mit 150 Nm anziehen

10. Anbauteile und Deckel anbauen
   
-> wie Abbau

So sieht er aus der Motor, eigentlich ganz gut..

kein Kommentar. Lief wirklich erstaunlich gut dafür...

Übersicht schon mit neuen Teilen wo benötigt.

Hier sieht es schon ganz gut aus aber am Rand ist noch der "Rostwulst"

Sitze der Laufbuchsen nach dem bearbeiten mit Cuttermesser, Bürste und Schleifpaste (so sollten die aussehen!!)

Dichtungen bei Überlappung zurecht schneiden (keine Aufgabe für Grobmotoriker)

Ventilsitze überarbeitet

Ventile neu

Ventile alt

Block schön sauber

Zylinderkopf geplant und Ventile montiert.

Ventilschaftdichtungen (obere Feder bei Montage bzw. durchschieben des Ventils entfernen und später wieder montieren, siehe "weitere Bilder"!!!)

Buchsen eingebaut - man kann auch direkt mit dem Zylinderkopf sichern, sofern bereits fertig.

Sieht aus als wenn's zusammen passt..

 

Auf den Motorständer damit

Überarbeitete Kurbelwelle

Beim Einbau auf den genauen Sitz der Axiallager achten! Diese haben eine Kerbe die auf einem Spannstift im Block sitzt

Die müssen da wieder drauf

neue Lager

Anprobe

Korkplätchen 3mm

Zuschneiden

Abdichten (Das hier ist noch teilweise zu dick, muss hauchdünn sein!)

Korkplättchen unter Spannung; Überstehendes abschneiden

Diese Stelle ist extrem tricky. Wer das beim ersten Mal fehlerfrei hinbekommt, dem geb' ich ein Eis aus.

Sicher, dass alle Schrauben fest sind? Pleuel, Hauptlager, Ölpumpe?  *fiesgrins*

 

Und wieder das gleiche Spiel

Sieht fast schon wie ein richtiger Motor aus!

In Echt sind die Körnerpünktchen auf den Zahnrädern besser zu sehen...
Steuerkette IMMER neu.

Wasserpumpe und Deckel montiert

Schwungscheibe drauf, Pilotlager neu

Einstellen (Zündung, Vergaser, Ventilspiel ...) Rette sich wer kann!!

weitere Bilder weitere Bilder 2

 Inbetriebnahme, guten Morgen Herr Nachbar :-)

WICHTIG: Der Motor hat jetzt richtig BUMMS - das heißt aber ausdrücklich nicht, dass man damit jetzt RASEN sollte! 1000 km einfahren mit Standardgetriebe MAX 65km/h !!! Nach 1000 km Ventilspiel prüfen, Motoröl tauschen und Kopfschrauben nachziehen.